Der C-Griff ist aus meiner Sicht das sinnvollste System, um Akkordeon zu lernen – auch wenn das Knopffeld auf den ersten Blick rätselhaft wirkt. Warum ich darauf schwöre, hat mit ein paar handfesten Vorteilen zu tun.
Was ist der C-Griff?
Der C-Griff ist eine von zwei gängigen Anordnungen für die rechte Hand auf dem chromatischen Knopfakkordeon. Statt einer Klaviertastatur hast du mehrere Reihen kleiner Knöpfe vor dir, chromatisch angeordnet, also in Halbtonschritten. „C-Griff” und „B-Griff” sind dabei nur zwei Spiegelungen desselben Knopffelds. Die linke Hand ist davon unabhängig – dazu empfehle ich den Melodiebass (Free-Bass).
Der große Vorteil: ein Muster für jede Tonart
Entscheidend ist die isometrische Anordnung. Eine Tonleiter, ein Akkord ergibt ein Griffmuster, und dieses Muster bleibt in jeder Tonart gleich. Du lernst es einmal, verschiebst die Hand, und es sitzt überall.
Auf dem C-Griff lernst du einen Akkord nicht zwölfmal, sondern einmal – danach gilt dasselbe Muster in jeder Tonart.
Auf einer Klaviertastatur liegt dagegen jede Tonart anders unter den Fingern; für „denselben” Akkord lernst du viele verschiedene Formen. Beim C-Griff fällt das weg, und die Technik wird mit wachsendem Können immer leichter. Auch die Harmonielehre wird anschaulicher: Was du greifst, siehst du als Form vor dir, nicht als Ausnahmeregel für jede einzelne Tonart.
Beide Hände laufen parallel
Der zweite Vorteil zeigt sich im Zusammenspiel mit dem Melodiebass. Der spiegelt die rechte Hand, gleiche Anordnung, gleiche Logik. Im C-Griff bedeutet das: Beide Hände nutzen dieselben Griffmuster und Fingersätze, sie bewegen sich in dieselbe Richtung und entwickeln sich gemeinsam statt getrennt. In vielen anderen Systemen hinkt die linke Hand technisch hinterher; hier nimmst du fast alles, was du rechts geübt hast, direkt in die Linke mit. Unterm Strich lernst du ein System statt zwei.
C-Griff oder B-Griff?
Beide sind chromatische Knopfsysteme, beide funktionieren. Der B-Griff ist vor allem in Osteuropa verbreitet. Warum ich trotzdem zum C-Griff rate? Weil beim B-Griff die Hände gegenläufig arbeiten und der schöne Gleichlauf von rechter und linker Hand verloren geht. Im C-Griff bleibt er erhalten – für mich Grund genug.
Warum ich im C-Griff unterrichte
Das ist bei mir keine reine Theorie, sondern mein eigener Weg. Angefangen habe ich auf dem Piano-Akkordeon, also mit Klaviertastatur, und bin später innerhalb der Akkordeonfamilie zum chromatischen Knopfakkordeon im C-Griff gewechselt. Bereut habe ich es nie. Studiert habe ich an der Hochschule für Musik Trossingen, und drei Jahre lang habe ich die Akkordeonklasse der Schule Schloss Salem geleitet. Aus all dem ist meine Überzeugung gewachsen: ein zusammenhängendes System, parallele Hände, ein Muster für jede Tonart. Zwingen will ich damit niemanden – wer sich bewusst fürs Piano-Akkordeon entscheidet, den unterrichte ich genauso. Am Ende entscheidest du.
Ist der Einstieg schwer?
Am Anfang ist das Knopffeld ungewohnt, das gebe ich offen zu. Es wirkt weniger „sichtbar” als eine Tastatur, und das schreckt manche zuerst ab. Im Unterricht ist das schnell entschärft, und die kurze Anfangsphase geht rasch vorbei – der Vorteil des C-Griffs bleibt dir danach dauerhaft. Lernen kann ihn übrigens jede und jeder, auch Erwachsene und komplette Anfänger.
Wenn du noch grundsätzlicher überlegst, hilft dir Welches Akkordeon für Anfänger?; die Frage Tasten gegen Knöpfe vertiefe ich in Piano-Akkordeon oder Knopfakkordeon?. Und wie das Ganze im Unterricht aussieht, liest du beim Akkordeonunterricht in Hannover.